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Ab 15. September 2006

ELFIE SEMOTAN
gleichschwer

 

Kleine Galerie
TIHOMIR PINTER
Fotografie

Ausstellungseröffnung
am Freitag, den 15. September 2006 um 20.30 Uhr
Ausstellungsdauer bis 14. Oktober 2006

Elfie Semotan – gleichschwer

Fotografie im Grenzbereich zwischen Mode und Kunst.
Silvie Aigner

Elfie Semotan wurde in Österreich vor allem durch die von ihr fotografierte Werbung für Palmers und Römerquelle bekannt. Unter dem Motto „Trau dich doch“ entstand eine dreiteilige Plakatserie, die damals für Aufregung sorgte und die Form der Palmerswerbung nachhaltig prägte. Doch Elfie Semotans fotografische Arbeit geht weit darüber hinaus und umfasst Landschafts-, Reportage, Porträt- und Modefotografie gleichermaßen. Gemeinsam mit Edek Bartz, Kurator der Viennafair 2006, traf sie für den Kärntner Kunstverein eine Auswahl, die gängige Erwartungen durchbricht und ihre Bandbreite als Fotografin darstellt, von der Modefotografie bis hin zu ihren künstlerischen Arbeiten. Doch macht Semotan in der Konzeption ihrer Fotografie dabei keinen Unterschied und so findet sich ihre Modefotografie auch erst dort, wo kommerzielle Auffassungen durchbrochen werden. Ihre individuelle Formfindung und ihr Crossover zu Inhalten der Kunstgeschichte, als auch der, durch ihr Umfeld garantierte Diskurs mit zeitgenössischer Kunst, prägen ihre Arbeit. „Ich habe stets versucht den oberflächlichen, platten Kommerz zu umgehen und war von Anfang an überzeugt, dass man Werbung und Mode auch anders fotografieren kann. Die Geschichte eines Menschen ist für mich bis heute wichtiger, als die Mode, die er trägt. Mir geht es nicht darum eine ästhetisch - abstrakte Welt zu schaffen, sondern ich suche eine Anbindung an die Realität.“ Semotan integriert die Mode zumeist in ihre fotografischen Inszenierungen, selten wird sie zum Hauptfokus des Bildes. So wird die Architektur von Adolf Loos, vor der sich modisch gekleidete Passanten bewegen zum eigentlichen Mittelpunkt oder die Innenarchitektur einer gestylten Wohnung in New York zum durchgängigen Thema einer Serie. Peter Koglers Catsuits inszenierte sie mittels Trampolin, das im Foto nicht mehr zu sehen ist, hoch über den Dächern New Yorks. „Das war lange vor den Möglichkeiten der digitalen Fotografie und diese Serie zeigt anschaulich, dass sich in meiner Arbeit Grenzen zwischen Werbung und Kunstfotografie schwer ziehen lassen“. Neben ihrer inhaltlichen Konzeption von Szenen und Geschichten, die sie um die zu fotografierende Mode inszeniert, arbeitet sie stets auch im Grenzbereich zum Porträt. Dies zeigen u.a. die nahezu lebensgroßen Modefotos von Frauen in einem der Ausstellungsräume. „Der Besucher soll bewusst im Unklaren gelassen werden, ob es sich um Modefotografie handelt, oder um Menschen, die einfach verrückt angezogen sind.“ Eine weitere Serie entstand in einer von einer Japanerin eingerichteten New Yorker Wohnung und zeigt Semotans Vorliebe für klare einfache Formen in der Architektur, als auch ihr Interesse an einer installativen Präsentation ihrer Fotografie. So erweitert sie diese durch Sessel, die jenen in den Fotos vergleichbar sind, in den Raum. Das Porträt bildet einen von vielen thematischen Schwerpunkten in Semotans Œuvre. Auch wenn sie bekannt ist, für Fotos von Stars aus der Film-und Modewelt sowie aus der internationalen Kunstszene, macht sie in der direkten Arbeit mit den Menschen, als auch in ihren Ausstellungen keinen Unterschied und hängt bewusst Porträts verschiedenster Personen nebeneinander: „Ich versuche die Haltung, wie auch die Inszenierung des Fotos aus der persönlichen Auseinandersetzung mit den Personen zu gewinnen egal ob es sich um Menschen von der Straße, Models oder bekannten Künstlern handelt und allzu stereotype Posen zu vermeiden, sondern mit den Stimmungen zu arbeiten, die sie in sich tragen und das Essentielle der Personen zu erwischen. Kommunikation und eine offene Auseinandersetzung mit dem Gegenüber ist daher für mich immer eine Vorraussetzung. Doch gelingt es nicht jedem Menschen gleichermaßen frei vor der Kamera zu agieren. Das muss man akzeptieren und gerade damit wieder arbeiten.“ In der Ausstellung m Kärntner Kunstvereins liegt der Schwerpunkt jeodch nicht beim Porträt, sondern vor allem in der Landschaftsfotografie, vom künstlichen „Birkenwald“ bis zu jenen Serien, die in der Wüstenlandschaft Libyens und in der Puszta fotografiert wurden. Diese Arbeiten zeigt Elfie Semotan in einer Form der „free association“ im Hauptraum des Künstlerhauses. Die Gemeinsamkeit der Fotos deren Inhalte von der reinen Landschafts- über die Reportage- bis hin zur Modefotografie reichen, liegt im Motiv der weiten Ebene. Das Interesse für eine karge, scheinbar ereignislose Landschaft teilte sie mit ihrem ersten Mann, den Künstler Kurt Kappa Kocherscheidt., dessen Eindrücke von den Steinformationen in Südamerika sein weiteres Œuvre nachhaltige prägten. Elfie Semotan selbst lernte die Wüste während einer Reise durch Libyen kennen. Daraus entstand ein gemeinsam mit Christian Reder herausgegebenes Buch: Sahara. Text- und Bildessays, das 2004 im Springer Verlag publiziert wurde. „Es ist eine karge, spröde Landschaft, die jedoch wenn man sich darauf einlässt einem viele Detailansichten öffnet. Sie wirkt wie ein Kürzel oder ein Symbol für Landschaft per se. Ähnlich wie bei Kurt Kocherscheidt hat auch bei mir ein Auseinandersetzung mit der Landschaft immer stattgefunden. An der Ebene der Wüste und der Puszta interessierte mich vor allem das Spiel mit der stets vorhanden Horizontlinie in einer radikalen formalen Ausrichtung auf die geometrische Lesbarkeit dieser Natur.“ Ihre Reportagefotografie zeigt die Menschen, die ihr auf diesen Reisen begegneten, in anderen Bildern mischt sie ihre Modelle wie selbstverständlich unter die Dorfbevölkerung. Semotans Reisebilder schließen ein zielgerichtetes vereinnahmendes Herangehen an das Fremde aus, vielmehr sensibilisieren sie den Betrachter für die Wahrnehmung und die formalen Intentionen der Fotografin. Ein Blick der auch geprägt ist, durch die ständige Konfrontation mit einer wechselnden Umgebung. Seit den späten 1990er Jahren lebt Elfie Semotan zwischen Wien, New York und ihrem Haus im Burgenland. „Die Intensität, die aus diesen Ortswechsel entsteht, ist mir wichtig, es ist eine ständige Herausforderung und auch eine bewusste Unterbrechung eines sonst vielleicht allzu gemütlich dahin laufend Lebens. Es sensibilisiert mich, wie auch meine Reisen für Dinge, die an jedem Ort anders sind und für den Rhythmus der jeweiligen Stadt. New York gefällt mir weil das Tempo ganz anderes ist als in Wien. Die Stadt ist so ungebändigt und unbewältigt“. Ihr Haus im Burgenland empfindet die Künstlerin als ihr eigentliches Zentrum, dort sind auch die Bilder und die ganz persönlichen Erinnerungen an ihre beiden Männer, die Künstler Kurt Kappa Kocherscheidt und Martin Kippenberger, die beide früh innerhalb von nur wenigen Jahren verstarben. Eine von Elfie Semotan zusammengestellte Personale des Malers Kurt Kappa Kocherscheidt wird parallel zur Ausstellung von Elfie Semotan im Kärntner Kunstverein in der Galerie 3 präsentiert. Neben Tafelbildern und Zeichnungen werden auch fotografische Arbeiten des Künstlers zu sehen sein, in deren Mittelpunkt das Motiv des Steins und die Transformation seiner Form in Kocherscheidts Malerei stehen werden. „Wir hatten das Interesse für die selbe Art von Landschaft und uns verband ein ähnliches Gefühl für Formen, die sich in dieser kargen Steinlandschaft verbargen. Selbst wenn ich scheinbar in der Modefotografie ganz andere Wege ging, so waren mit formal seine Bilder immer eine Selbstverständlichkeit.“

Die Zitate stammen aus einem persönlichen Gespräch mit Elfie Semotan in ihrem Wiener Atelier, im Sommer 2006.

Elfie Semotan, „Gleichschwer“ , Kunstvereins Kärnten,
Künstlerhaus Klagenfurt, Goethepark 1, 9020 Klagenfurt
15. September bis 14. Oktober 2006

Kurt Kappa Kocherscheidt, kuratiert von Elfie Semotan,
ab 15. September, Galerie 3, Alter Platz 25, 9020 Klagenfurt

 

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