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4. Mai – 15. Juni 2018

Interspaces
(au cercle de Le Cube)

Zainab Andalibe & Nicolas Kozerawski / Younes Baba-ali / Abdessamad El Montassir / Käthe Hager von Strobele / Randa Maroufi / Giancarlo Norese & Cesare Pietroiusti / Leila Sadel / Nicole Schatt / Katrin Ströbel & Mohammed Laouli 
Elisabeth Zimmermann: Ö1 Radiokunst - Kunstradio
mit
Andrew Garton / Aurélie Lierman / Randa Maroufi / Andrea Sodomka / Brane Zorman

Vernissage
3. Mai 2018, 19:00

Begrüssung — pozdravni nagovor
Gilbert Isep, Präsident/predsednik

Einführende Worte — uvod
Edith Payer, Elisabeth Piskernik
Kuratorinnen/kustusinji

Ausstellungsdauer — trajanje razstave
4. Mai – 15. Juni 2018

Finissage & Sommerfest
15. Juni 2018 ab 18 Uhr

Interspaces
Interspaces, also Zwischenräume, sind ein prägendes Merkmal unserer Gegenwart. Es sind Zwischenräume privater und öffentlicher, somit auch politischer Natur. Der zeitgenössische Mensch bewegt sich in einem globalisierten Gefl echt aus Orten, Kulturen, Netzwerken, Disziplinen, Theorien und Ideologien, welches auch einem steten Bedeutungswandel ausgesetzt ist. Ständig verschwimmen Grenzen, es bilden sich Zwischenräume, verschieben sich und schließen sich wieder.

Hinzu kommt ein politisches Gefühl des „Dazwischen-Seins“, ein Unbehagen, das seinen Grund in der Verschiebung hegemonialer Machtstrukturen hat. Vergegenwärtigt man sich etwa die Kolonialgeschichte, so findet man eine Reihe an eurozentristischen Deutungsmodellen, die auf dem Grundsatz einer allumfassenden europäischen Vorherrschaft aufgebaut sind und somit völlig überholt sein sollten. Binär organisierte Regulative wie „das Eigene“ und „das Fremde“ haben eine lange Tradition, müssten aber nach Jahrzehnten intensiver postkolonialer und kulturwissenschaftlicher Aufarbeitung obsolet sein. Trotzdem erfährt dieses historisch gewachsene Oppositionsschema wir/Norm/Ideal versus die anderen/Abnormität/Mangel aktuell neuen Zuspruch und führt zu gefährlichen Vereinfachungen. Doch wie können in diesen starren Strukturen globalisierte und vielfältige Lebensformen beschrieben, verstanden und gelebt werden? Wie kann das Fremde im Eigenen oder die Abnormität in der Norm ihre Wertschätzung finden?

Zeitgenössische Kulturtheorien proklamieren multipolare und nichthierarchische globale Konzepte; interkulturelle Theorien versuchen die Komplexität der Austauschprozesse zwischen verschiedenen Kulturen zu beschreiben. In einer vernetzten Welt haben solche Konzepte nicht nur eine theoretische, sondern auch eine praktische gesellschaftspolitische Relevanz.

Für die Ausstellung Interspaces wurden Positionen ausgewählt, die dieses Themenspektrum behandeln und geografische, linguistische, genderpolitische und mediale Aspekte aufgreifen. Sie bieten alternative Sichtweisen und generieren erweiterte Handlungsspielräume: So thematisieren Katrin Ströbel & Mohammed Laouli in ihrer Arbeit Fließende Grenzen und Nicole Schatt in Max und andere Zugvögel die gegenwärtigen Flucht- und Migrationsbewegungen. Randa Maroufis Film The Great Safae handelt von gesellschaftlichen Machtmechanismen, die eine klare Definition der Geschlechtermodelle verlangen. Younes Baba-ali sowie Giancarlo Norese & Cesare Pietroiusti untersuchen Sprache als strukturschaffendes Phänomen. Käthe Hager von Strobele visualisiert in ihrer Arbeit Moiré Varianten von Körperlichkeit durch die Manipulation textiler Oberfl ächen. Abdessamad El Montassir erarbeitet in Al Amakine – une cartographie des vies invisibles eine Alternativgeschichte zu seinem Heimatort. Zainab Andalibe& Nicolas Kozerawski führen in ihrer Installation Roses des vents das klassische Navigationsinstrument, die Windrose, ad absurdum.

(au cercle de Le Cube)
Grundstock der Ausstellung sind Arbeiten von Kunstschaffenden, die mit dem Kunstraum Le Cube – independent art room in Verbindung stehen.

Der Kunstraum wurde 2005 von der Kunsthistorikerin und gebürtigen Österreicherin Elisabeth Piskernik in Rabat gegründet und ist heute ein fixer Bestandteil der marokkanischen Kunstszene. Im Cube wird ein breites Spektrum an zeitgenössischen Kunstpositionen in Form von Rauminstallation, Fotografie, Performance, Video- und Soundkunst gezeigt.

Als unkommerzieller Ausstellungsraum stellt der Cube für die lokale zeitgenössische Kunstszene eine Plattform zum Ausstellen und Experimentieren dar. Er fördert im Rahmen eines Residency-Programms den Austausch mit internationalen KünstlerInnen, welche zudem die Möglichkeit haben, während ihres Aufenthalts vor Ort zu arbeiten, Projekte zu entwickeln und zu realisieren.

Das bilaterale Projekt Interspaces ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit des Kunstvereins Kärnten mit dem Kunstraum Le Cube, welches mittels unterschiedlicher künstlerischer Positionen den Versuch wagt, vermeintlich abgesteckte Grenzen zu ver wischen und den dadurch gewonnenen Zwischenraum für neue Sichtweisen zu nutzen. „Ja, kann man ein unscharfes Bild immer mit Vorteil durch ein scharfes ersetzen? Ist das unscharfe nicht oft gerade das, was wir brauchen?“, fragte einmal Ludwig Wittgenstein. Und wir sagen: „Vermutlich hat er Recht!“

Edith Payer & Elisabeth Piskernik




Kleine Galerie

digitalsafari ⁄ analogillusion comfortzone
Stephanie Klaura

Einführende Worte — uvod
Andrea Schurian

Endlich ist sie da – vaporwafe Ästhetik in gefestigter Materie.

Purpur!
             Magenta!
                          Violett!
                                     Der absolute Ausnahmezustand!

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Die digitalen Welten verschwimmen (in)zwischen (in) unsichtbaren, elektromagnetisch verseuchten Lila-Tönen.
Nicht nur der sakrale Farbenschmuck setzt den Trend.
Auch Pantone surft auf Magenta-Datenpixeln.
In Purpur gehüllt (ganz im Zeichen von 2018).
Mit viel Mut zum Glamour betreten wir die Bühne des großen Dramas.
Garantiertes Upgrade fürs anonyme Alter Ego.

Die Erschaffung idealer virtueller Welten
fördert
➔ die Flucht aus dem Alltag
➔ Illusionen gefügiger Netzwerke aus gewohntem Umfeld strukturiert
➔ vorgefertigte (sowie vorbelastete) Ordnungssysteme
➔ Digitale Oasen, Sicherheit versprechend um uns in Anonymität wohlig zu betten.

Das TEXTIL „Digitalsafari“ inspiriert sich aus grafischen Simulationen realer Elektronen in fester Materie.
Im 20. Jahrhundert wurde entdeckt, wie die Quantum-natur eines Elektrons zum Zwecke menschlichen Komforts eingefangen werden kann.
Sprich: Wissen, das uns die Quanten Physik erbracht hat, unterstützt den (mittlerweile selbstverständlichen) täglich-essentiellen Komfort, den das Digitale mit sich bringt.

Tatsächlich: das Hinterlassen der Ungewissheit paradoxer quantenphysikalischer Spuren.
Vorsicht: ungemütlicher Beigeschmack!
Hätte der Mensch nicht die Fähigkeit Dinge ausblendend zu verdrängen, wäre er gelähmt in den unerklärlichen Wissenslücken des Daseins gefangen.
Jedem seine Comfort-Zone! Damit wir den Rhythmus des unwirklichen Lebens auch für die vergleichbar unrelevante Zeit schöpferisch wertvoll verbringen können.
Ein verschwinden in seinen eigenen Mustern.
Das Eintauchen in der Selbstbestätigung.
Geborgenheit lösen aus vorgefertigten Strukturen und Ordnungen.
Schutz findend in den Höhlen unendlich digitaler Welten.

 

 

 

 

 

 

 

Zainab Andalibe, Nicolas Kozerawski
Roses des vents
, 2015
Aluminium-Scheiben, graviert,
Durchmesser pro Scheibe je 12 cm
Fotocredits: Zainab Andalibe & Nicolas Kozerawski


Younes Baba-ali
Shalom Aleïkoum, 2013
Wandarbeit, Größe variabel
Fotocredit: Le Cube – independent art room


Abdessamad El Montassir
Al Amakine – unecartographiedesviesinvisibles
, 20152017
Fotoinstallation, Größe variabel
Fotocredits: Le Cube – independent art room


Käthe Hager von Strobele
Moiré, 2015
Serie an Farbfotografi en, je 80  60 cm
Fotocredits: Käthe Hager von Strobele


Randa Maroufi
La Grande Safae – The Great Safae, 2014
Video,15’56’’
Fotocredits: Le Fresnoy –
Studio national des arts contemporains


Giancarlo Norese Cesare Pietroiusti
TENKALAUT. Seven Dialogues between Giancarlo Norese
and Cesare Pietroiust
i, 2005
Hardcover-Buch, 19,3  11,6 cm, 48 Seiten, Aufl age 100 Stück,
nummeriert, signiert, herausgegeben vom Instituto Svizzero di Roma
Fotocredits: Giancarlo Norese


Leila Sadel
Ouvrage
, 2010
Installation, Größe variabel
Fotocredit: Leila Sadel


Nicole Schatt
Max und andere Zugvögel
, 2013
Installation (Bleistiftzeichnungen auf Papier
und Schaukasten mit Objekten), Größe variabel
Fotocredit: Le Cube – independent art room


Katrin Ströbel und Mohammed Laouli
Frontières fluides – Fließende Grenzen
, 2015
Videoinstallation, Fotografi en und Kalligraphie,
Größe variabel
Fotocredits: Katrin Ströbel und Mohammed Laouli