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Walter Amann / Wolfgang Schikora / Ulrich Zierold
(King Kong Kunstkabinett)

Vernissage: 8. Juni 2001 - 19 Uhr
Termin: 8. Juni bis 7. Juli 2001

Du und Deine Welt
              
Der Katalog erscheint im Zusammenhang mit einer Ausstellung im Kunstverein Kaernten/Kunsthaus Klagenfurt (Oesterreich) und in der AusstellungsHalle, Schulstrasse 1A, in Frankfurt/Main,
gefoerdert durch die Hypo-Kulturstiftung Muenchen,
das Kulturreferat der Landeshauptstadt Muenchen
und die Galerie Art and Be, Muenchen.

Zufallsgegend, irgendwie Freiheit, erweiterter Frohsinn, Maerchendistrict und oekotopp sind Titel einiger Bilder dieses Katalogs. Wir sehen diese Titel auffaellig ins Bild gemalt. Sie entstehen nicht als Thema oder Programm zum Beginn des Malprozesses, sondern als sogenannte Schlussproduktion; die Bilder werden noch einmal abschliessend formal und inhaltlich mit Auge und Pinsel geprueft und mit dem Titel zurechtgerueckt. Die Titel spiegeln Gedanken und Einfaelle wider, sind "literarische Heftzwecken", entspringen der diskursiven Umgebung des Malvorgangs.

Sinngehalte werden zur Sprache und werden materialisiert, sie werden Gegenstaende, naemlich Kunstwerke. Was namenlos ist, verdaemmert; verschwindet vielleicht fuer immer. Was angesprochen wird, ist da und erzeugt neue Wirklichkeiten und Gedankenwelten, wobei der Titel zum Bild und das Bild zum Sinnbild wird. Alltagskultur, Beobachtungen medial-aufbereiteter Bilderwelten, die Oberflaeche der Politik werden von Walter Amann, Wolfgang Schikora und Ulrich Zierold im King Kong Kunstkabinett (KKKk) kritisch reflektiert und mit ausgepraegter Ironie zu Ereignisbildern verarbeitet.

Die Arrangements werden nicht zu Aussagen verdichtet, sondern bewusst offengehalten fuer Einfaelle und Imagination. Der Betrachter kann in der beschreibenden Analyse Einzelelemente auf ihre Funktion im Zusammenhang hin pruefen und kommt so zum "ganzen" Bild, vielleicht nicht zu einem "endgueltigen" Ergebnis. Die Bilder geben so mehr den Anstoss fuer einen Prozess des visuellen Erinnerns und Vergleichens, sie rufen die Vielgestalt von Farbe, Form und Struktur ins Bewusstsein, die in aehnlicher oder gleicher Position bestimmte, das Motiv betreffende Assoziationen zulassen.

Die Bilder wirken dazu ueberschaubar; zu ihrer Entschluesselung scheint kein besonderes Werkzeug notwendig zu sein. Die Banalitaet ihrer Gegenstaende mag dazu verfuehren, dass man meint, sie problemlos verstehen und ohne Widerstand wahrnehmen zu koennen. Warum gibt man sich soviel Muehe beim Malen von Dingen, die man so eigentlich gar nicht mag? Das ist eine Frage der kuenstlerischen Haltung aber auch ein grundsaetzliches Problem erzaehlerisch/gegenstandsbezogener Malerei. So gesehen steht die Kunst des KKKk in der Tradition der Genremalerei, also einer Malerei, die Szenen des taeglichen Lebens anspricht, die die grossen Themen der Kunst auf ein zwischenmenschliches Mass verkleinert.

Nun werden diese Szenen nicht "wertneutral" dargestellt, sondern sie werden von einer bestimmten Perspektive gesellschaftlicher Wirklichkeit aus gesehen, von einem Standpunkt also, den die Kuenstler aufgrund ihrer eignen sittlichen oder auch unsittlichen Erfahrung mit gesellschaftlicher Realitaet bezogen haben. In diesem Sinn ist die Kunst des KKKk eine moralische, da die Kuenstler sittliche Grundsaetze und Normen der gegenwaertigen Realitaet durch ihre eignen Lebensentwuerfe und Interpretationen, ihre eignen, ge- wachsenen Ideologien und ueberzeugungen reflektieren und auslegen.

Die Kunst des KKKk hat eine politische Dimension, die sich aus der Geschichte der Gruppe lesen laesst, aber natuerlich auch und gerade aus ihrer Kunst. Walter Amann, Wolfgang Schikora und Ulrich Zierold arbeiten seit 1977 kuenstlerisch zusammen im King Kong Kunstkabinett. Das war der imaginaere Erfahrungsraum und das Experimentierfeld ihrer kollektiven Malerei, als der Versuch, ein anderes Verstaendnis von Origi- nalitaet und Authentizitaet zu erproben gegenueber der Singularitaet des Kuenstlersubjekts. Dafuer steht der fluessige, gestische Malprozess mit offenem Ausgang, der Austausch der unterschiedlichen Temperamente, ein experimentelles Werkverstaendnis.

Dabei greifen sie auf Erfahrungen und spezifische Entwicklungen der Muenchner Gruppen Spur, Geflecht, Kollektiv Herzogstrasse und der Malgruppe WeibsBilder zurueck. Fuer sie ist dagegen die Arbeit in der Gruppe kein temporaerer uebergang oder eine Inkubation fuer anderes. Sie ist Transmission fuer kuenstlerische Energien der Gegenwart, die erprobt werden und sich in der Diversifikation in den verschiedenen Bildmedien zeigen. Focus bleibt die Malerei, das Ausserdem entfaltet sich in grafischen Beitraegen fuer Zeitschriften, in den Kleinplastiken, in den sogenannten Kunstfilmen, den Videoarbeiten. Bilder; Sprache und Figuren geraten lauthals in Bewegung, die Kuenstler sprechen von einer "Durchdringung der Wahrnehmung von Bildern, Toenen und Apparaten".

Wenn Kuenstler ueber einen so langen Zeitraum zusammenarbeiten , stellt sich die Frage: was haelt sie wach, welchen "Standpunkt" nehmen sie ein, wie stellt sich kuenstlerische Entwicklung dar? Sie arbeiten an den offenen Enden der kuenstlerischen Moderne, sehen sich eher auf deren Nebenwegen um, erproben Ausdrucksvarianten, nisten sich in den Bruechen ein. Ausgangspunkt ist eine sinnverstrickte Erlebnis- und Ausdrucksmalerei, in die sich bald gestische und expressive Gegenstandserfindungen mit grotesk-absurden und konstruktiven Einschueben mischen.

Der expressive Anfang ist nun das Gegenteil eines zugespitzten existentiellen Pathos', er ist jetzt spielerische Eroeffnung eines am Farbmaterial sich generierenden Prozesses der aufeinander treffenden Temperamente, die sich malerisch und diskursiv einigen. Es entstehen figurative Konstellationen zwischen Abbildung und Abs- traktion. Sie haben teilweise eine deutliche Naehe zur Karikatur und Satire. Sie kommen aber nicht ernsthaft anklagend daher, sondern transportieren allerlei muntere und ironische Eigenschaften und entsprechen der Vielfalt realer Typen und der Situation, die sie charakterisieren.

Sie entstehen aus dem kuenstlerischen Vermoegen, den Abstraktionsgrad frei zu bestimmen, und erzeugen eine Figuren/Typenvielfalt, die die Wirklichkeit auch hervorbringt, vielleicht aber auch weit hinter sich laesst. Im Gegensatz zu den frueheren Arbeiten der Gruppe, scheinen jetzt die Figuren und Gegenstandsbezuege weniger mit Malerei verbunden, weniger aus dem Malprozess herausgemalt, sie sind jetzt hart anei- nandergesetzt, einzeln aufgereiht und stehen nebeneinander und besonders uebereinander. Verstaerkt wird diese Sicht durch die analoge Handhabung der Farbflaechen, die die Bilder durchziehen. Die Kuenstler jonglieren mit Gegenstaenden und Farbflaechen so exzellent, dass mehrstimmige Kompositionen entstehen.

Die figuerlich- gegenstaendlichen Anteile in den Bildern werden gegenueber den Gesten und leeren Formen ausbalanciert. Scheinbar nach dem alten Surrealistenkonzept von der "zufaelligen Begegnung eines Regenschirms mit einer Naehmaschine" werden die teils sich widersprechenden Elemente/Gegenstaende aber genau inszeniert. Das geschieht mit Hilfe eines Kippeffekts der entstehenden Bildraeume. Die Bodenflaeche wird zur schiefen Ebene. Draufsicht und Untersicht werden so zu einem Perspektivenmix, der die dargestellten Szenen "trotz ihrer Alltaeglichkeit, ploetzlich in einem merkwuerdigen Licht erscheinen laesst.

Sie werden ihrer Alltaeglichkeit entkleidet". Durch Steilstellung vieler Bild- und Farbflaechen, wandert unser Blick eher von oben nach unten oder in entgegengesetzter Richtung, als in das Bild hinein, wie wir es eigentlich gewohnt sind. Unser Koordinatensystem des Vorne-Hinten, Links-Rechts, Oben - Unten wird ins Schwanken gebracht, die Formen und Figuren kippen manchmal hin und her und verweisen so auf ihre Fortsetzung ausserhalb des Bildes. Die Malerei bewegt sich in Richtung auf Nichtmalerei, auf das konzeptuelle Weiterspinnen von Bildideen jenseits des Bildes.

Wir erfahren das Sehen als unabschliessbareres Anregungsverhaeltnis noch hinzutretender Umstaende. Jedenfalls koennen wir den Erfahrungsprozess oft nicht im Bild mit einem Ergebnis abschliessen. Vergleichen lassen sich diese Bilder mit ihren typischen vertikalen Anordnungen der Figuren, Gegenstaende und Flaechen mit einer aus vielen Summanden bestehenden Additionsaufgabe. Das Gleichheitszeichen, also der Strich, der die Summanden von der Summe, d.h. von dem Ergebnis trennt, entspricht dem unteren Rand des Bildes; das endgueltige 'Ergebnis' liegt ausserhalb des Bildraums. Bis heute produzieren Walter Amann, Wolfgang Schikora und Ulrich Zierold ausschliesslich im Team.

Das ist kein einheitlicher Akt, wie sie sagen, "sondern eine Taetigkeit, die in eine grosse Zahl von Facetten auseinandergeht, in der die diskursive Begleitung, das Abstandnehmen, genauso wichtig ist, wie die richtige Farbe". Die Bilder zeigen das nicht. Man sieht nicht, dass drei Maler taetig sind. Man sieht realistisch schonungslose Blicke, die nicht abbilden, sondern umlenken. Man sieht rueckhaltloses Verhaftetsein in den Verhaeltnissen noch in der malerischen Distanz der Gegenbilder.

Dazu gehoert das Kindlich-Naive des 'ungezogenen Pinsels', das geplante 'Falschmalen', das Belauern der Sujets in der Intensitaet der Durcharbeitung. Es entstehen inhaltliche Kondensate moderner Erlebniswelten, deren Sinn und Form die Malerei beunruhigt und verstoert.

Reinhard Irmscher

Walter Amann, geb. 1942, Wolfgang Schikora, geb.1945, und Ulrich Zierold, geb. 1946.
Die Kuenstler leben in Muenchen und Frankfurt


gefördert durch:
BKA-KUNSTSEKTION,
LAND KÄRNTEN,
STADT KLAGENFURT

 

 



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