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11. September – 15. Oktober 2015

Vor Einbruch der Dunkelheit
Günter Brus | Burgis Paier | Roberto Kusterle

Eröffnung: 10. September 2015, 19:00
Kurator: Roman Grabner, Universalmuseum Joanneum
Begrüßung: Präsident DI Eckhard Küttler Einführende Worte: Roman Grabner


Die Dunkelheit steht am Anfang der meisten bekannten Kosmogenien. Sie ist das anfängliche Chaos, das bedrohliche Nichts bevor das Licht ward. Sie ist für den Menschen daher seit Anbeginn der Zeit eine Metapher für den Anfang wie für das Ende, ein Symbol für Geburt und Tod.

Die Dunkelheit ist das Andere, Gottferne, Unheimliche, Vernunftlose, ein unsicherer und unbestimmter Raum, der zugleich ein Potenzial an Freiheit birgt. Sie ist ein Schatten – die Nacht ist nur der Schatten, den die Erde auf sich selbst wirft –, der uns das Unbestimmte und Unbekannte vor Augen führt, der uns aber auch befreit von den Regeln des Tages, den Konventionen der Gesellschaft und den Gesetzen der Realität.

Die Dunkelheit ist die metaphorische Kritik am Zustand der Gesellschaft, ist die symbolische Beschreibung einer regellosen politischen Macht, die sprichwörtliche Rede von den finsteren Zeiten: „Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr die Nacht?“ (Friedrich Nietzsche, Sämtliche Werke. Bd. 3. München 1980, S. 481.)

Die Dunkelheit korrespondiert als äußere Düsterkeit einer inneren Finsternis und versinnbildlicht die schwarzen Seiten des Humanum, die unauslotbare Tiefe menschlicher Abgründe, die das Hervortreten der Welt aus dem Dunkel des Nichts plausibel zu machen scheint.

Die Dunkelheit ist die Bedingung des kreativen Prozesses als Freiraum, Rückzugsort und Reflexionszeit. Der Fotografie ist sie in ihrem Entstehungsprozess eingeschrieben, die als „Lichtzeichnung“ ihre Entwicklung in der dunklen Kammer, der „Camera obscura“, erfährt.

Die Ausstellung „Vor Einbruch der Dunkelheit“ versammelt Aspekte des Dunklen, Relikte des Realen und Reflexionen des Unbestimmten. Höchste Luzidität konvergiert mit abgründiger Dunkelheit, momenthafte Ereignishaftigkeit mit zeitloser Dauer, schonungslose Radikalität mit subtiler Poesie. Es ist vibrierende Zeit des Umbruchs, der schmale Grat zwischen Leben und Tod, das Spannungsfeld von Licht und Dunkelheit und die Ambivalenz zwischen Symbol und Realität, die sich in den Werken von Günter Brus, Roberto Kusterle und Burigs Paier spiegeln. Es sind die Schattenseiten des Menschseins und die Schlagschatten, die auf den Menschen geworfen werden, die im Blickwinkel der Präsentation stehen. In diesem Sinne versteht sich Ausstellung auch als Statement zur kulturpolitischen Situation in Kärnten. Es dämmert …

Roman Grabner


 

Kleine Galerie

Sonja Hollauf – Crazy cars

geb.  in  St. Andrä i. Lavanttal / Österreich
kontinuierliche  künstlerischen Arbeit seit 1990 mit Schwerpunkt Malerei      
Mitglied: Künstlerhaus Klagenfurt, grenzART, Hollabrunn, Kulturvernetzung NÖ            
Ateliers: Bad Bleiberg und Wien            
lebt und arbeitet in Villach, Bad Bleiberg und Wien             
Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, Symposien in Kroatien und Österreich
freischaffende Künstlerin

Ausstellungsliste und weitere Infos zur Künstlerin: www.sonjahollauf.com

 

 

 


Günter Brus, Selbstbemalung, 1965, S/W-Fotografien, Privatsammlung


Günter Brus, Cioranische Vesper, 1981, 20-teilig, Bleistift und Tusche auf Papier, Privatsammlung


Burgis Paier, Ohne Titel, 2015, Diverse Materialien, Courtesy of the Artist


Roberto Kusterle, Das heilige Tuch, 1997, 28 S/W-Fotografien, Courtesy of the Artist