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12. September – 9. Oktober 2014

PETER PATZAK - The Gate to the Garden

Vernissage: 11. September 2014, 19 h

Begrüssung
DI Eckhard Küttler
Präsident

Einführende Worte
Wolfgang Walkensteiner

„Ich brauche hinter jedem Bild eine Geschichte, diese kann sich verschlüsselt auch als Andeutung im Titel wiederfinden. Ich denke manchmal, ich betrete die Räume von Morgen und will durch - auf die nächste Tür zu gehen - immer wieder. Keine Räume aufgeben, mit Hoffnung bemalen.“

Man könnte die Arbeit von Peter Patzak als täglich gelebtes Forschungsprojekt Bild, Schrift, Zeit bezeichnen: Ob es sich nun um die Laufbilder des Films handelt, um jene Bilder, die als Substrat von Erzählungen im Kopf entstehen oder die tatsächlichen Zeichnungen und Malereien die an Galeriewänden hängen.

Durch die Prominenz, die Patzak als Regisseur erlangt hat, wurde oft vergessen, dass es schon seit 1962 regelmäßig Ausstellungen mit seiner bildenden Kunst gibt. Arbeiten, die ein enges Dialogverhältnis mit seinen anderen bildsprachlichen/sprachbildnerischen Hervorbringungen pflegen und doch eine ganz eigene Schicht in seinem Werk darstellen. Patzaks erklärte Absicht ist es, eine visuelle Harmonie zwischen „dem Ersehnten und dem Erreichten“ zu erzielen, ein Projekt das fast schon per definitionem zum Scheitern verurteilt ist. Aber gerade im Kampf um die Form, im Ringen um authentischen Ausdruck manifestiert sich die Kunst in ihrem Wahrheitsanspruch: Im palimpsestartigen Auftrag der verschiedenen Farbschichten, im Collagieren und Decollagieren, das neue Blickwinkel auf eine andere Wirklichkeit / die Wirklichkeit des Anderen ermöglicht. Im Versuch, durch impulsive Gestik eine künstlerische Behauptung aufzustellen und - aber - gleichzeitig durch filigrane zeichnerische Interventionen Ordnung in die Landkarten zu schaffen, Vermessungszeichen zu setzen. Gerne zitiert Peter Patzak Francis Bacon:

„Ich kenne meine Situation und weiß, dass ich weiß was ich will, aber nicht wie ich es hinkriegen kann.“ Patzak allerdings hat einiges hingekriegt in den vergangenen fünf Jahrzehnten und seine Kunst war nie eine Insel: Sie hat im Lauf der Jahrzehnte absorbiert und transformiert, was in der Luft lag: Man findet eine inhaltliche Palette von der goldenen Zeit der Malerei in Österreich, der Avantgarde nach dem Krieg bis zu Patzaks Zeit in den sechziger und siebziger Jahren in New York. Das Ungegenständliche vermischt sich mit dem Zeichenhaften und dem Ornamentalen, dem nervösen Strich stehen ruhige, Flächen gegenüber. Manchmal bezieht sich der multidisziplinäre Künstler ganz bewusst mit milder Ironie auf sein anderes Arbeitsfeld, das Kino, wenn er Gemälde mit Perforationslöchern wie bei einem Filmstreifen begrenzt. Bei den neuen und neuesten Arbeiten wiederum dominieren strenge Geometrien, Feldforschung und Vermessung von Grenzen und Toren, dunklen Erde - und - Metallfarben, Raumsituationen, in denen gedämpftes Licht Durchlässe markiert: ´Break on through to the other side.`

Man könnte die malerischen Arbeiten von Peter Patzak als Augenblicksfilme bezeichnen, visuelle Erscheinungen, bei denen die Zeit nicht horizontal verläuft, sondern vertikal gestapelt wird. Explosionen der Wirklichkeit in Form einer künstlerischen Zuspitzung. „In den Bildern wird Geschichte erzählt,“ sagt Peter Patzak, „um zu zeigen was hinter der Geschichte ist. Man schafft einen Sinn, macht ein Loch oder eine Tür auf und geht hindurch, ohne dass diese von einem Fahrtenbuch erfasst werden kann. Eine Reise zwischen Ukronie und Utopie, zwischen Realem und Kontrafaktischem.“

o. Univ. Prof. Dr. Walter Schurian
 
www.peter-patzak.at

Kleine Galerie

Gabriela Jost
NISTPLÄTZE UND NESTSYSTEME

Die Struktur eines Vogelnestes dient als archaischer Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung zwischen Natur und künstlicher Gestaltung. Materialien aus der Natur werden nach speziellen Prinzipien angeordnet, um natürliche Bedürfnisse zu befriedigen: Schutz für das Lebendige und die Gewährleistung optimaler Bedingungen.

Dieser Aspekt findet sich sowohl in der Natur als auch in den „künstlich“ menschlichen Gestaltungsformen.
Da wie dort finden artifizielle Eingriffe statt: Materialien werden für bestimmte Zwecke verändert und zu neuen Formen angeordnet.

Die Gestaltungsprinzipien sind ähnlich: der Lebensraum wird zweckmäßig verdichtet und funktional gestaltet. Die Intention des nestbauenden Vogels ist die gleiche wie die des Menschen, der seinen Lebensraum gestaltet, Haus-Nester baut, Landschaft kultiviert und sich Netzwerke für seine Sicherheit baut (Verkehrswege, Dämme etc.).

In dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zwischen Natürlichem und Künstlichem. Beides ist Natur.